FELZ ZWEI – Teil 2 | Biodiversität

An, in und um unsere Liegenschaft an der Girhaldenstrasse 20 in Zürich fördern wir die Biodiversität. Ganz bewusst schauen wir nach Möglichkeiten um unsere einheimische Flora und Fauna zu fördern. Nebst der Gartenanlage integrieren und nutzen wir aktiv die Liegenschaft, sprich das Gebäude, um Tieren und Pflanzen Raum zu bieten. Ebenfalls ist es uns ein Anliegen, dass die Bewohner des Hauses sich in der Gartenanlage aufhalten und verweilen können. Folgend aufgeführt sind einige Themen, auf die wir besonders achten und die ineinanderwirken.

Naturgarten
Ein naturnaher Garten weist viele unterschiedliche Bereiche und Strukturen auf. Es werden natürliche Materialien verwendet und auf Torf und chemische Hilfsmittel verzichten wir komplett. Auch soll es Platz für sehr wilde Bereiche haben. Auf eine artenarme Rasenfläche wird bewusst verzichtet und dafür ein grosses Augenmerk auf unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten und Bodenzusammensetzungen gelegt. So entstehen magere Ruderalflächen aus Sand- und Kiesbereiche sowie nährstoffreiche Braunerdebereiche für den Gemüseanbau.

Einheimische Pflanzenarten
Wir verwenden nebst den Nutzpflanzen ausschliesslich einheimische Pflanzenarten. Diese dienen vielen Tieren als Nahrung, sowie als Versteck- und Brutplätze. Wir pflanzen Bäume, Sträucher, Wildstauden und achten darauf, dass das ganze Jahr hindurch ein Blütenangebot für Insekten besteht. Ebenso ist es wichtig, dass im Herbst und den Winter hindurch viele Beeren den Vögeln als Futter zur Verfügung stehen. Mit mehrjährigen Wildstauden kann eine hohe Anzahl unterschiedlicher Pflanzen auf kleinem Raum erreicht werden. Grosse Bäume sind wertvolle Lebensräume für unzählige Tierarten und verbessern das Stadtklima. Deshalb dürfen diese auf keinen Fall fehlen.  

Ruderalstandorte
Ruderalstandorte sind aufgrund ihres nährstoffarmen Aufbaus wertvolle und seltene Lebensräume. Auf ihnen gedeihen seltene und spezialisierte Pflanzenarten. Diese kommen perfekt mit den heissen und trockenen Bedingungen zurecht. In der Natur sind solche Flächen auf Kiesbänken entlang naturbelassenen Gewässern zu finden. Störungen wie zum Beispiel durch Tritt beeinträchtigen die Pflanzen nicht. Solche Kiesflächen eignen sich deshalb gut als Sitzplätze und Wege. Laufkäfer, Wildbienen und Ameisen finden hier einen idealen Lebensraum und die vielen Blüten erfreuen nebst den Insekten auch den Menschen.

Trockensteinmauer
Der Sockel rund um das Gebäude bildet eine bis zwei Meter hohe Trockensteinmauer aus Sandstein. Der Wert dieser Mauer liegt in den Fugen und dem Material. Die Hohlräume zwischen den Steinen bleiben leer und bieten viele Versteckmöglichkeiten für Tiere. Beispielsweise können sich Blindschleichen oder Mauereidechsen zwischen den von der Sonne aufgewärmten Steinen aufhalten und sind so vor Fressfeinden geschützt. Zugleich können sich Pflanzen in den Fugen ansiedeln, wie zum Beispiel Mauerpfeffer und Moosarten. Diese sind an diesen Extrem-Lebensraum perfekt angepasst.

Aussenbeleuchtung
Bei der Aussenbeleuchtung der Wege und Stufen planen wir ein Minimum an Leuchtmittel ein. Die Beleuchtung in der Nacht kann nachtaktive Tiere irritieren und ihren Aktionsradius massiv einschränken. Wo hingegen aufgrund der Sicherheit eine Beleuchtung nötig ist, verwenden wir weisswarmes Licht mit einer Farbtemperatur von unter 3000 Kelvin und möglichst geringem UV- und Blauanteil im Lichtspektrum. Zusätzlich werden die Beleuchtungszeiten angepasst und darauf geachtet, dass der Lichtkegel nur auf den Weg zeigt und nicht unnötig nach oben und hinten ausstrahlt.

Mauersegler Nistkästen
In die Fassade werden gestalterisch und qualitativ wertvolle Nistkästen für Mauersegler integriert. Durch die moderne Bauweise verschwinden Nischen und Höhlen in Gebäuden, die über Jahren den Mauerseglern und anderen Tierarten wichtige Nistplätze geboten haben. Wir planen von Beginn solche Behausungen ein und hoffen, dass sie nach kurzer Zeit durch Mauersegler angenommen werden. Die Nistkästen müssen vor Regen, Fressfeinden und übermässiger Hitze geschützt sein. Der Mauersegler verbringt sein ganzes Leben, ausser der Brutzeit, in der Luft und hinterlässt keine Verschmutzungen an der Fassade.

Fledermauskästen
Als nachtaktive Tiere brauchen Fledermäuse ein vor Wetter und Räubern geschütztes Versteck, in welchem sie den Tag verbringen können. Deshalb bauen wir, ähnlich wie bei den Mauerseglern, in die Fassade gestalterische und qualitativ wertvolle Quartiere ein. Fledermäuse leiden wie die Mauersegler unter dem Verlust von Nischen, die sie als Sommer- und Winterquartiere nutzen. Sie fressen Insekten wie Stechmücken und sind für Menschen völlig ungefährlich. Fledermäuse sind dankbar, wenn die Umgebung möglichst dunkel ist und die Beleuchtung auf ein Minimum reduziert ist. Die Behausungen müssen mindestens zwei bis drei Meter ab Boden angebracht werden und vor Hauskatzen sicher sein.

Balkonbegrünung
Wir begrünen auf der Ost- und Südseite unsere Balkone. Das Blattwerk der Pflanzen bindet eine hohe Menge an Schadstoffen und Staub. Ebenfalls mindert es den Lärm, kühlt und befeuchtet die Luft und trägt so zur Erhöhung der Lebensqualität im Wohnumfeld bei. Geplant sind Reben, sprich Tafeltrauben, die ab Balkon geerntet und verzehrt werden können. Daneben pflanzen wir verschieden Rosenarten. Auf dem Dach befinden sich Pflanztröge, die mit Efeu und wildem Wein bestückt sind und von oben nach unten wachsen. Der Efeu blüht in den Herbstmonaten und spendet vielen Insekten in dieser Zeit Nahrung.

Nutzgarten
In der Gartengestaltung sind Bereiche für Gemüsekulturen und andere Nutzpflanzen eingeplant. Der Garten wird von unserem Gärtner bewirtschaftet. Nebst einjährigem Gemüse werden Dauerkulturen gepflanzt. Dazu zählen unter anderem Beerensträucher, Kräuter und Rhabarber. Der Garten wird biologisch bewirtschaftet und somit komplett auf chemische Hilfsmittel verzichtet. Die Rüstabfälle der Bewohner werden im Kompost gesammelt, zu Humus umgewandelt und im Beet wieder ausgebracht. Wir sind überzeugt, dass wir auf kleiner Fläche schmackhaftes Gemüse produzieren können.

Vogelschutzglas
Grosse Fenster bringen nicht nur Licht in einen Raum, sie geben auch einen weiten freien Blick nach aussen. Das Treppenhaus an den Girhaldenstrasse wird gegen aussen mit einer Glasfassade eingekleidet. Spiegelnde und glänzende Oberflächen sind jedoch für viele Vögel eine Todesfalle. Denn die Vögel erkennen nicht, dass es sich um eine Täuschung handelt und fliegen ungebremst auf die Fläche zu. Die Kollisionen enden mehrheitlich tödlich. Um dies zu verhindern verwenden wir Glasscheiben, die speziell für die Vogelsicherheit konzipiert wurden. Das Glas ist für die Vögel sichtbar und sie können der Gefahr ausweichen.

Extensive Dachflächenbegrünung
Jeder cm2 zählt. Auf der kleinen Flachdachfläche des Gebäudes wird um die Photovoltaikanlage herum eine extensive Begrünung erstellt. Diese Begrünung beinhaltet Pflanzenarten, die auf sehr trockenen und mageren Standorten zurechtkommen. Diese niedrige Vegetation ist für Heuschrecken interessant. Einige Arten sind sehr mobil und können problemlos solche hohen Flächen erreichen. Auf diesen Flächen sind sie zudem vor Hauskatzen geschützt und die Störung durch den Menschen ist minimal. Wichtig ist, dass solche Flächen bezüglich der invasiven Neophyten kontrolliert werden.

Beispiel Naturgarten | FELZ EIS, Adliswil

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