Dauerhumus produzieren im Heiss-Rotte-Verfahren

Dauerhumus produzieren im Heiss-Rotte-Verfahren

Dauerhumus ist ein sehr stabiler Humus, der mehrere Jahre die Pflanzen mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Um bei unserem Mehrfamilienhaus FELZ EIS Dauerhumus für den Garten zu produzieren haben wir eine Kompostmiete aufgesetzt. Im Heissrotte-Verfahren und mit Hilfe der Regenwürmer vermischt und verbindet diese Miete organische und mineralische Komponenten miteinander.

Vorgehensweise
Zuerst haben wir alle benötigten Materialien zusammengetragen. Im Garten haben wir einen circa 1-2 m2 grossen Kreis mit Holzstäben abgesteckt. Dann wurde geschichtet. Das Fundament bildete eine 10 cm dicke Lage aus Brombeerstauden und kleinen, maximal fingerdicken Zweigen und Blättern vom Haselstrauch. Diese Schicht erfüllt die Drainagefunktion um überschüssiges Wasser abzuleiten. Darüber haben wir frisches und trockenes Material aufeinandergelegt. Die trockenen Schichten wurden mit Pflanzenjauche übergossen. Zwischen den Lagen kam Urgesteinsmehl (gegen die Geruchsbildung) und mit Jauche getränkte Pyrolysekohle zum Einsatz. Pyrolysekohle wird unter Luftabschluss bei Temperaturen zwischen 380 °C und 1000 °C hergestellt. Sie bindet mit ihrer enorm grossen Oberfläche Nährstoffe und sorgt später für die schwarze Farbe des Humus. Was nicht fehlen durfte sind Schichten aus gewachsener Erde. Diese beinhaltet Tonmineralien, die zusammen mit organischen und mineralischen Stoffen, von den Regenwürmern aufgenommen und wieder ausgeschieden werden. Durch diesen Prozess entstehen die wertvollen Ton-Humus-Komplexe. Diese binden ein Vielfaches an Wasser und Nährstoffen und stellen diese den Pflanzen zur Verfügung. Das Schichten wird wiederholt bis ein circa 80 cm hoher Haufen entsteht. Die ganze Miete haben wir mit viel Heu abgedeckt.
In den ersten Tagen sollte sie sich auf bis zu 70° C aufheizen und weitere vier Wochen auf circa 40° C bleiben. Je nach Startzeitpunkt bleibt die Heissrotte bis zu acht Monate liegen und reift.

Tipp: Viel Grünmaterial verwenden, damit das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff circa 25:1 beträgt. Das Material verwenden, was einem zur Verfügung steht und einfach zu beschaffen ist. Deshalb sind Aussagen über Mengenangaben schwierig. Da heisst es ausprobieren mit allem was kompostierbar ist. Pyrolysekohle und Pflanzenjauche können selber hergestellt werden. Kohle kann anstelle von Jauche mit Urin beimpft werden.
Gegen den Starkregen empfehle ich die ganze Miete mit einem Öko-Vlies und/oder Jute abzudecken. Zu grosse Nässe oder Trockenheit verträgt das Heissrotte-Verfahren nicht. Standort im Sommer im Halbschatten, im Winter darf es ein vollsonniger Platz sein.

Materialliste: 1 Sack Pyrolysekohle/Grillpricket zerstampft/eingeweicht, ½ Sack Urgesteinsmehl (bindet Gerüche), 1 Fass zwei bis drei Wochen alte Pflanzenjauche, Erde, Pferde-/Rinder-/ Hühnermist, Rüstabfälle, halbverrotteter Kompost, ½ Strohballen als trockene Schicht, viele Brennnessel/Grünmaterial, Brombeerstauden, dünne Haselstrauchzweige, nicht verholztes sperriges Material für die Drainageschicht, 1 Heuballen zum Abdecken, Öko-Vlies und Jute gegen Starkregen.

Moreno Santoleri, Umweltingenieur, moreno.santoleri@vbau.com
Daniel Kälin, Landschaftsgärtner